Dark & Dirty - Dunkelheit als Teil des Konzepts

Antilopen Gang auf der Bühne

Disco, Club, Pub, Bar, Kneipe, Bordell - in manchen Settings gehören dunkle Räume zum Konzept. Wenn die Dunkelheit nicht natürlich ist, wird sie künstlich erzeugt, zum Beispiel durch abgedunkelte Fenster, Türen, dunkel gestrichene Wände und Möbel. Sie ist die Voraussetzung für die Atmosphäre, die geschaffen werden soll.

Es ist Dezember. Die Tage sind kurz, die Dunkelheit begleitet uns morgens und abends. Viele von uns gehen morgens im Dunkeln aus dem Haus und kommen abends im Dunkeln zurück. Oft empfinden wir diese Dunkelheit als unangenehm. Es gibt aber auch Orte, an denen wir die Dunkelheit bewusst aufsuchen - nicht um uns zu verstecken, sondern um eine andere Seite von uns leben zu lassen.

Das Setting: eine andere Welt

Wer einen Club oder eine Bar betritt, hat das Gefühl, eine Schwelle zu überschreiten: in eine andere Welt einzutreten. Es ist wie das Betreten einer Höhle - ein Ort, der sich deutlich von der Welt „da draußen“ abgrenzt. Die richtigen atmosphärischen Mittel helfen, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Sie spricht alle Sinne an: Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken.

Wenn wir in einen Club gehen, erwarten wir, von der sonstigen Welt entrückt zu werden.

“Diese Idee, dass uns die Dunkelheit in eine andere Realität entführt, hat in der Clubkultur eine lange Tradition. Schon in den Anfängen der Clubkultur in den 1970er Jahren wurde Dunkelheit bewusst eingesetzt, um magische und fast surreale Erlebnisse zu schaffen. Orte wie das Studio 54 nutzten schummrige Lichtverhältnisse und gezielte Lichteffekte, um die Menschen aus ihrem Alltag zu reißen und ihnen Raum für Bewegung und Ausdruck zu geben. Später, in der Rave-Kultur der 1990er Jahre, wurde die Dunkelheit zum rebellischen Symbol - ein Schutzraum, in dem Status und Äußerlichkeiten keine Rolle spielten, sondern nur das gemeinsame Erleben von Musik und Bewegung zählte.”

Dunkelheit als Konzept

In einem Club erwarten wir Dunkelheit. Sie ist nicht einfach da, sie wird gestaltet – mit Lichtspielen, bewegten Lichtern, Nebelmaschinen und gezielt gesetzten Schatten. In dieser Dunkelheit sind die Konturen unserer physischen Umgebung diffus. Die Realität entmaterialisiert sich, unterstützt durch Stroboskopeffekte, schummrige Beleuchtung und eine Vielzahl bewegter Lichter.

Diese Art von Dunkelheit ist Teil der Gesamterfahrung: Es ist dunkel. Es gibt bunte und bewegte Lichter. Es ist laut. Es ist eng. Es ist voll. Es riecht nach Alkohol, Schweiß, Parfüm und Haarspray.

Die Dunkelheit hat durch die erzeugte Atmosphäre eine besondere psychologische Wirkung: Sie bietet Sicherheit vor der üblichen sozialen Beobachtung, denn nicht alle können alles wahrnehmen. Hier können wir uns freier bewegen, ausprobieren, vielleicht sogar mutiger sein. Im Halbdunkel verschwimmen die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Alkohol und andere bewusstseinsverändernde Substanzen verstärken diesen Effekt - die Dunkelheit wird zum Rahmen für einen surrealen Zustand, in dem wir anders wahrnehmen, erleben und handeln.

Bewusst bringen wir uns in unbewusste Zustände.

Bewusst nicht genau sehen können. Bewusst nicht genau hören können. Und während wir einerseits bewusstseinseingeschränkt sind, sind wir auf eine andere Art sehr bewusstseinsoffen: Es ist, als ob ein anderer Kanal zum eigenen Inneren hin und aus dem eigenen Inneren heraus offen ist.

“Die Dunkelheit in solchen Räumen ist jedoch mehr als nur ein ästhetisches Mittel – sie hat eine tiefere Bedeutung. Insbesondere in den Anfängen der Clubszene war sie ein Schutzraum für Subkulturen, ein Ort, an dem sich Menschen frei entfalten konnten, ohne von der Gesellschaft beobachtet oder beurteilt zu werden. Dieses Konzept, Dunkelheit bewusst zu gestalten, spiegelt sich in der Architektur ikonischer Clubs wie dem Hacienda in Manchester oder dem Berghain in Berlin wider. Hier wurde Dunkelheit gezielt eingesetzt, um Monumentalität mit Intimität zu verbinden – ein Raum für die Gemeinschaft und den individuellen Ausdruck.”

Kleider machen Leute? Räume machen Leute! 

Die Dunkelheit macht uns nicht zu anderen Menschen, aber sie erleichtert es, andere Seiten zu zeigen. Räume wie Clubs und Bars schaffen eine Umgebung, in der wir experimentieren können – sei es durch Tanz, Gespräche oder Nähe. Das Spiel mit Licht und Dunkelheit spielt dabei eine zentrale Rolle: Es setzt Akzente, zoniert den Raum in Bereiche für Tanz, Gespräche oder Entspannung und erzeugt Dynamik. Bewegte Lichter fordern uns auf, zu tanzen; gezielte Schatten schaffen Rückzugsorte.  Aber auch die Dunkelheit hat ihre Regeln. Sie ist ein Ort der Begegnung, an dem Nähe und Intimität dazugehören. Das „Licht an“ am Ende des Abends ist nicht nur ein Zeichen, dass die Nacht vorbei ist - es ist ein Bruch mit der zuvor geschaffenen Welt. Hast du schon einmal jemanden tagsüber getroffen, den du nachts im Dunkeln kennengelernt hast? Es entsteht eine merkwürdige Fremdheit, und es ist schwer, an das Gefühl der Dunkelheit anzuknüpfen.

Das Surreale als Essenz

Die Dunkelheit hat etwas Verzeihendes: Dinge, die gesagt oder getan werden, scheinen weniger endgültig. Sie erlaubt es, das Negative auszublenden – den Dreck, die kleinen Fehler, das Unperfekte. Clubs und Bars sind Orte, die das Surreale fördern: Sie schaffen einen Raum, in dem wir uns nicht verstecken, sondern öffnen können. Es wird eine Wesens-Seite geöffnet, die sonst eher in einem Nebenzimmer wohnt. Dieses Nebenzimmer wird dann zum Wohnzimmer - zum “Living Room”. Und die Elemente der physischen Umgebung helfen dabei, diese Version des Selbst zu leben.

Wie surreal diese Umgebungen sind, wird besonders deutlich, wenn man sie bei Tageslicht sieht. Der Zauber der Dunkelheit liegt darin, uns in einen Zustand zu versetzen, in dem wir uns von gesellschaftlichen Erwartungen lösen können - ein Ausbruch aus dem Alltag, der im Kontrast zur grellen, sichtbaren Welt stehen muss.

“Die surrealen Aspekte der Dunkelheit sind eng mit der Geschichte der Clubkultur verknüpft. Schon früh wurde Dunkelheit genutzt, um das Unperfekte, Spontane und Surreale zu fördern – sei es durch die diffuse Wahrnehmung, die Unschärfe der Realität oder die Entfaltung von Seiten, die im Alltag oft verborgen bleiben. Besonders in der Rave-Kultur der 1990er-Jahre wurde Dunkelheit zum Katalysator für tranceartige Zustände, in denen Menschen sich von gesellschaftlichen Zwängen lösen und neue Formen des Miteinanders erleben konnten.”

Ein Raum für die Gesellschaft

Clubs und Bars sind mehr als nur Orte des Konsums. Sie sind Akteure der Gesellschaft – Räume, die soziale Interaktion, kulturellen Austausch und persönliche Freiheit fördern. Ihre Dunkelheit ist ein essentielles Gestaltungsmittel, das es ermöglicht, Verbindungen zu knüpfen, Ideen zu teilen und die Grenzen des Gewohnten zu überschreiten.

„Clubs und Bars waren schon immer mehr als nur Orte der Unterhaltung. Ihre Dunkelheit war ein Schutzraum für Kreativität, Rebellion und soziale Interaktion. Heute, wo viele dieser Räume durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen bedroht sind, wird ihre Bedeutung als kulturelle und soziale Akteure noch deutlicher. Dunkelheit ist hier nicht nur ein atmosphärisches Element – sie ist ein Werkzeug, um Räume zu schaffen, in denen Freiheit und Vielfalt gelebt werden können.“

Es lebe die Clubkultur!

Es liegt an uns, diese Orte zu schaffen, zu erhalten und zu schützen. Denn ihre Dunkelheit ist nicht nur Design - sie ist eine Einladung, einen Teil von uns zu entdecken, der sonst im Schatten bleibt, und uns mit anderen zu verbinden. Es lebe die Dunkelheit und die Clubkultur!

Hinweis: Die kursiv gesetzten Texte sind inhaltliche Ergänzungen, die ich über ChatGPT erstellt habe, um meinem Text die historische Bedeutung der Clubkultur beizufügen.
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Architektur des Ortes: Wie viel Tradition verträgt die Zukunft?

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P11 - Ein perfekter sozialer Raum